A2 Eintraege
- Absolutgenauigkeit
- Mass dafuer, wie nahe der Endeffektor an die programmierte Soll-Koordinate im Raum kommt. Liegt typisch um Faktor 5-10 schlechter als die Wiederholgenauigkeit. Wichtig bei Offline-Programmierung mit CAD-Modellen, weniger relevant bei Teach-In am realen Bauteil. Vgl. Wiederholgenauigkeit
- Achsen (DOF)
- Cobots sind ueblicherweise 6-Achs-Knickarmroboter. 7-Achser (Kassow, Kuka iiwa) bieten zusaetzliche Beweglichkeit fuer enge Bauraeume, brauchen aber komplexere Bahnplanung. Mehr Achsen = hoehere Singularitaets-Vermeidung, aber auch mehr Pflegeaufwand.
B2 Eintraege
- Bahngenauigkeit
- Beschreibt die Treue, mit der ein Roboter eine programmierte Bahn (z.B. Kreis, Linie) tatsaechlich abfaehrt. Entscheidend bei Schweissen, Kleben, Entgraten — also Aufgaben mit kontinuierlicher Tool-Kontur. Wird in der Praxis selten beworben, weil schlechter messbar als die Wiederholgenauigkeit am Punkt.
- Bremsmoment
- Drehmoment, mit dem die Achs-Bremsen ein bewegliches Glied bei einem Safety-Stop zum Stillstand bringen. Bestimmt zusammen mit Massentraegheit den Anhalteweg — und damit, wie nah ein Mensch an der laufenden Anlage stehen darf.
C2 Eintraege
- Cobot
- Industrieroboter, der konstruktiv (gerundete Gehaeuse, Sensorik, Kraft-Begrenzung) so ausgelegt ist, dass er ohne trennenden Schutzzaun neben Menschen arbeiten darf. Setzt eine Risikobeurteilung nach ISO 12100 und Konformitaet zu ISO/TS 15066 voraus. Geschwindigkeit ist im echten MRK-Modus deutlich reduziert.
- Cycle-Time
- Zeit, die ein Roboter fuer einen kompletten Programmzyklus braucht. Wird bei Cobots oft als Pick-and-Place-Cycle (z.B. 25 cm Hub, 10 cm Versatz) angegeben. Im MRK-Modus laenger als im Industrial-Modus, da die Geschwindigkeit aktiv begrenzt wird.
D1 Eintrag
- DART-Studio
- Programmier- und Simulationsumgebung von Doosan Robotics. Kombiniert grafische Bausteine mit Python-Scripting und einer 3D-Simulation. Konkurriert mit URs PolyScope X, FANUCs Roboguide und ABBs RobotStudio.
E1 Eintrag
- Endeffektor
- Werkzeug am Flansch des Roboters: Greifer, Sauger, Schweissbrenner, Schraubspindel, Kamera. Bei Cobots oft modular per Quick-Change-Adapter, damit Bediener selbst zwischen Aufgaben wechseln koennen.
F2 Eintraege
- Force-Torque-Sensor (FT-Sensor)
- Sensor zwischen Roboter-Flansch und Werkzeug, der Kraefte und Drehmomente in allen sechs Freiheitsgraden misst. Pflicht fuer Polier-, Schleif- und Fuegeprozesse. Manche Cobots (UR, FANUC CRX) haben den Sensor ab Werk integriert, andere brauchen Drittsensoren von ATI, Robotiq oder OnRobot.
- Foerdersystem-Tracking
- Faehigkeit der Steuerung, ein bewegtes Foerderband synchron zu verfolgen, sodass der Cobot Teile im Vorbeifluss greifen kann. Bei UR via URCap, bei ABB via OmniCore-Funktion, bei FANUC via Line-Tracking-Option — selten eine Standard-Funktion.
G1 Eintrag
- Greifer
- Mechanischer (2-Finger, 3-Finger, adaptiv) oder pneumatisch-vakuumbasierter Endeffektor. Fuehrende Hersteller im Cobot-Umfeld: Robotiq (2F-85, Hand-E), Schunk (EGK), OnRobot (RG2, VGC10), SMC.
H1 Eintrag
- Hand-Guiding
- Direktes Fuehren des Roboterarms per Hand, um Wegpunkte zu lehren ("Teach by Demonstration"). Setzt eine kraftgeregelte Steuerung voraus. Macht Cobots fuer ungeschulte Bediener zugaenglich, aber langsamer als Online-Programmierung am Bauteil.
I2 Eintraege
- ISO 13849-1
- Norm zur Bewertung sicherheitsbezogener Steuerungs-Funktionen. Cobot-Sicherheits-IO erreicht typisch Performance Level d (Cat.3 PL d). Ohne diese Zertifizierung darf eine Sicherheits-Funktion nicht in der Risikobeurteilung als zaehlend angesetzt werden.
- ISO/TS 15066
- Technische Spezifikation zu kollaborierenden Robotern. Definiert Druck- und Kraft-Grenzwerte fuer Koerperregionen (z.B. Hand: 140 N) im Falle einer Beruehrung. Grundlage jeder MRK-Risikobeurteilung. Ergaenzt — ersetzt nicht — die ISO 10218-1/-2.
K1 Eintrag
- Kollisions-Erkennung
- Sensorik (Strom-/Drehmoment-Beobachter, externe FT-Sensorik), die einen Aufprall des Arms an Mensch oder Hindernis innerhalb weniger Millisekunden detektiert und einen Safety-Stop ausloest. Empfindlichkeit ist typisch in 5-10 Stufen einstellbar.
L1 Eintrag
- Lebensdauer (Service Life)
- Vom Hersteller spezifizierte Betriebsdauer bis zur empfohlenen Generaluebholung. Im Cobot-Segment werden 35.000-50.000 Betriebsstunden genannt, was bei 2-Schicht-Betrieb etwa 7-10 Jahren entspricht.
M3 Eintraege
- MoveIt
- Open-Source-Bewegungsplanungs-Framework fuer ROS/ROS 2. Ermoeglicht Bahnplanung mit Hindernis-Vermeidung, Inverse-Kinematik und Greif-Posen-Berechnung. Wird primaer in Forschung und bei kundenspezifischen Cobot-Anwendungen eingesetzt.
- MRK
- Sammelbegriff fuer Arbeitsformen ohne trennenden Schutzzaun. Vier Stufen nach ISO/TS 15066: Sicherheitsbewerteter Stop, Hand-Fuehrung, Geschwindigkeits-/Abstands-Ueberwachung, Leistungs-/Kraft-Begrenzung. Nur die letzte erlaubt direkten Kontakt.
- MTBF
- Mittlere Zeit zwischen zwei Ausfaellen. Cobot-Hersteller geben Werte zwischen 50.000 und 100.000 Stunden an. In der Praxis erreichen Anwender oft niedrigere Werte, weil Verschleiss am Endeffektor und an Kabelpaketen mitgerechnet werden muss.
N1 Eintrag
- Nutzlast (Payload)
- Maximales Gewicht inkl. Endeffektor, das der Roboter dauerhaft am Flansch tragen darf. Cobot-Bandbreite reicht von 3 kg (UR3e) bis 30 kg (UR30, Kassow KR1018). Wichtig: Nutzlast haengt von Reichweite und Pose ab — nicht jeder kg ist ueberall erlaubt.
O1 Eintrag
- OmniCore
- Aktuelle Steuerungs-Generation von ABB. Faehrt RAPID-Programme, integriert Wizard-Easy-Programming fuer Cobots und unterstuetzt Sicherheits-Optionen wie SafeMove. Ablouese der frueheren IRC5-Plattform.
P3 Eintraege
- Performance Level (PL)
- Mass fuer die Wahrscheinlichkeit eines gefaehrlichen Ausfalls einer Sicherheitsfunktion. Skala a-e, wobei e der hoechste ist. Cobots erreichen ueblicherweise PL d (Cat. 3) — ausreichend fuer die meisten MRK-Szenarien.
- Pinch-Point
- Stelle in der Roboter-Geometrie, an der ein Koerperteil zwischen zwei beweglichen Teilen oder zwischen Roboter und Umgebung eingeklemmt werden kann. Klassisch: Innenseite des Ellenbogens. Wird in der Risikobeurteilung explizit dokumentiert und durch Geschwindigkeits-/Kraft-Limits oder Geometrie-Aenderung entschaerft.
- PolyScope X
- Steuerungs-Software von Universal Robots ab e-Series. Plattform fuer URCap-Plugins, mit denen Drittanbieter Greifer, Sensoren und Anwendungen integrieren. Marktbreite des URCap-Oekosystems ist einer der staerksten UR-Vorteile.
Q1 Eintrag
- Quick-Change-Adapter
- Mechanisch-pneumatischer Adapter am Flansch, der einen werkzeuglosen Wechsel des Endeffektors in Sekunden erlaubt. Anbieter: Robotiq, Schunk, ATI, Zimmer.
R2 Eintraege
- RAPID
- Programmiersprache der ABB-Steuerung. Strukturiert-textbasiert, mit eigenen Konstrukten fuer Bahnen (MoveJ, MoveL, MoveC). Wer ABB-Industrieroboter kennt, findet sich im OmniCore-Cobot-Stack sofort zurecht.
- Reichweite
- Radius des Arbeitsraums vom Sockel zum Flansch in voll gestreckter Pose. Cobot-Bandbreite reicht von ca. 500 mm (kompakte 3-kg-Klasse) bis 1.800 mm (Schwerlast wie UR20/UR30 oder Kassow). Knickarme erreichen nicht alle Punkte innerhalb dieses Radius — der Arbeitsraum hat tote Zonen am Sockel und in Singularitaets-Posen.
S3 Eintraege
- Safety-Rated Stop
- Vier Stop-Kategorien: 0 (sofort, Energie aus), 1 (kontrolliert, dann Energie aus), 2 (kontrolliert, Energie bleibt), Protective Stop (situationsspezifisch). Cobots realisieren Cat. 1 typisch in < 250 ms.
- Singularitaet
- Pose, in der eine Achse keine eindeutige Bewegungs-Lsg. mehr findet (z.B. gestreckter Arm, Handgelenk in 90 Grad). Steuerung reagiert mit Stop oder Geschwindigkeits-Reduktion. Pfade muessen Singularitaeten umgehen — bei 7-Achsern leichter als bei 6-Achsern.
- Schutzhaut (Skin)
- Kapazitive oder taktile Sensorflaeche, die als zweite Haut um die Roboter-Glieder gelegt wird und Annaeherung bzw. Kontakt detektiert. Hersteller: Bosch APAS-Konzept, Airskin, Blue Danube. Macht aus klassischen Industrierobotern bedingt MRK-faehige Systeme.
T2 Eintraege
- Teach-Pendant
- Touchscreen-Bediengeraet zum Programmieren, Jogging und Diagnose. Bei Cobots ueblich: 12-Zoll-Tablet mit eigener UI (UR PolyScope X, Doosan DART, Techman TMflow, ABB FlexPendant).
- TMflow
- Grafische Programmieroberflaeche von Techman Robot. Knoten-basiert, mit integrierter Bildverarbeitung (TM-Vision-Modul). Macht Vision-Anwendungen ohne Drittsoftware moeglich — ein Alleinstellungsmerkmal im Cobot-Markt.
U1 Eintrag
- URCap
- Plugin-Format fuer Universal Robots PolyScope. Drittanbieter packen Greifer-Treiber, Vision-Module, Foerderband-Tracker etc. als URCap und liefern fertige Programmier-Knoten. Mehr als 400 zertifizierte URCaps machen das UR-Oekosystem zur breitesten Cobot-Plattform.
V1 Eintrag
- Vision-System
- 2D- oder 3D-Kamera, die Bauteile lokalisiert, vermisst oder Defekte erkennt. Wird ueber URCap (UR), TM-Vision (Techman), ABB-Integrated-Vision oder Drittsoftware (Cognex, Keyence, Roboception) eingebunden. Fuer Pick-and-Place aus ungeordneten Behaeltern (Bin-Picking) Pflicht.
W1 Eintrag
- Wiederholgenauigkeit
- Mass fuer die Streuung beim mehrfachen Anfahren derselben Position. Cobot-Bandbreite: ±0,02 mm (UR20, FANUC CRX-25iA) bis ±0,1 mm (kompakte 3-kg-Klassen). Wichtigste Einzelkennzahl in jedem Datenblatt — aber nicht identisch mit der Absolutgenauigkeit. Vgl. Absolutgenauigkeit
Z1 Eintrag
- Zykluszeit
- Synonym zu Cycle-Time. Im Cobot-Praxistest meist als Pick-and-Place-Cycle gemessen, manchmal auch als komplette Anwendungs-Cycle (Greifen, Vermessen, Ablegen, Quittieren). Vergleiche zwischen Herstellern sind nur belastbar, wenn der Cycle exakt definiert ist. Vgl. Cycle-Time
Hinweis zum Glossar. Die Definitionen sind redaktionell verfasst und dienen der Einordnung. Sie ersetzen keine juristische, normative oder sicherheitstechnische Beratung. Bezuege auf Normen wie ISO/TS 15066 oder ISO 13849-1 sind verkuerzt — fuer eine Konformitaetsbewertung gilt der jeweilige Original-Normtext in seiner aktuellen Fassung.